Donnerstag, 13. November 2014

Stillen, Tragen, Familienbett, meine persönlichen Gründe für Attachment Parenting

Gute Gründe für Attachment Parenting oder bindungsorientierte Elternschaft gibt es auf Blogs und in Büchern viele, da seid ihr mit anderen Quellen besser informiert als hier bei mir. Ich möchte gerne eher meine persönliche Beweggründe nieder schreiben.

Ich habe erst eine Weile nach der Geburt überhaupt bewusst diese Bezeichnung gehört/gelesen. Die meisten Aspekte sind für mich aus dem Bauch heraus und durch die richtigen Impulse aus anderen Büchern und von meiner Hebamme selbstverständlich geworden.

Oft wirkt es so, als würde man sich selbst komplett aufgegeben über die Bedürfnisse des eigenen Kindes und ja, es gehört teilweise viel dazu, immer (soweit es einem möglich ist) erst ein anderes als das eigene Wohlergehen im Fokus zu haben, aber ich tue viele Dinge auch aus einem guten Stück Egoismus heraus, weil ich sie für wichtig halte, weil ich dabei das gute Gefühl habe, das Richtige für mich, mein Kind und meine Familie zu tun und weil sie mir den Alltag erleichtern.

Zum Beispiel das Tragen ist hier die Zauberwaffe schlechthin. Sie liebt es und ist manchmal schon nach Sekunden eingeschlafen. Meine einzige Möglichkeit zu nähen habe ich, während sie auf meinem Rücken schläft. Ich habe es mir da von Beginn an leicht gemacht. Ich muss nicht stundenlang schuckeln, Kinderwagen schieben oder am Bett sitzen und bei jedem Mucks wieder hin. Sie ist immer bei mir und ich genieße die Ruhe, zu der sie mich zwingt. Nie arbeite ich konzentrierter und präziser an der Nähmaschine als mit ihr schlafend bei mir.

Ich liebe unser Familienbett (auch wenn es etwas größer sein dürfte). Ich möchte einfach nicht nachts aufstehen müssen, wenn sie etwas hat. Da bin ich schlichtweg zu faul für. Natürlich ist sie auch ein Kind, was sehr oft wach wird und ich wäre die ganze Nacht mit Laufen beschäftigt, aber selbst wenn es nicht so wäre würde ich sie gerne in meiner Nähe haben. Sie gehört zu mir, genau wie mein Mann. Ich genieße es sehr, dass sie so gerne ganz eng an mich gekuschelt schläft.

Ich habe eine kurze Zeit zusätzlich zum Stillen gepumpt und versucht zuzufüttern (was sie nicht wollte). Ihr glaubt mir gar nicht, wie froh ich bin, diesen ganzen Kram nicht zu brauchen und kaum gebraucht zu haben. Stillen macht einem das ganze so einfach. Immer und überall habe ich genau das Richtige, in unerschöpflicher Menge, perfekt temperiert bei mir. Abgesehen davon ist es bei uns die beliebteste Einschlafhilfe und auch hier macht es mir alles so leicht. Ich hatte bisher selten sowas wie Einschlafdramen. Und wenn keine Umarmung mehr hilft, ist es auch bei Kummer und Schmerz der größte Trost.

Das Langzeitstillen im Besonderen genieße ich vor allem wegen der Nähe noch sehr und es ist ganz offensichtlich, dass es auch der kleinen Elfe so geht. Es erleichtert uns den Alltag, schafft uns kleine Inseln der gemeinsamen Auszeit und Ruhe. Außerdem isst sie immer noch eher kleine Portionen und ich muss mir so kaum Gedanken machen, weil sie einfach noch viel von dem was sie braucht von mir bekommt.

Mit Stoff wickeln wir einfach gerne und ich persönlich mag das Gefühl von Stoff statt Plastik an meinem Kind. Ich nähe die meisten Windeln selbst und das macht mir richtig Spaß. Auf ihre Bedürfnisse einzugehen bzw "windelfrei" zu praktizieren hat für mich bisher den positiven Nebeneffekt, dass sie einfach besser kommunizieren kann, wenn sie mal muss oder was in der Windel ist. Ich finde das so schöner, als das Maximum an Füllmenge aus einer Windel rauszuholen.

Doch manchmal frage ich mich bei alle dem wieso sie dennoch nicht tiefenentspannt und absolut zufrieden ist. Sie ist sehr fordernd und anstrengend, hat als Säugling viel geweint, dabei habe ich sie getragen, gestillt, familiengebettet... Habe ich doch alles falsch gemacht?

Wenn ich dann aber in mich gehe, denke ich das eigentlich nicht, denn sie weiß jetzt schon, dass sie nicht von mir in Verhaltensmuster gezwängt wird, die nicht ihrem Wesen entsprechen. Sie muss nicht lernen alleine zu schlafen, den Mund zu halten, wenn sie stört oder mich in Ruhe zu lassen, wenn sie eigentlich meine Aufmerksamkeit braucht. Sie darf sein, wer sie ist und wie sie ist. Und es fühlt sich so einfach richtig an.