Mittwoch, 28. September 2016

Geburtsbericht - ungeplante Alleingeburt

06.09.2016, 39+3 

Ich wache auf, weil ich eine Wehe spüre. Dieses typische periodenartige Ziehen. Seit der Geburt der Elfe weiß ich, dass das bei mir sowohl Senkwehen als auch Geburtswehen sein können. Ich denke mir also erstmal nicht so viel dabei und bleibe liegen. Die Wehen kommen und gehen, ich schaue nicht auf Abstände und finde sie nicht sehr arg. Senkwehen also, ich hoffe bald wieder einzuschlafen. Ich schaue gegen kurz vor drei das erste mal auf die Uhr und vermute, dass ich um zwei Uhr rum wohl wach geworden bin. 

Bis vier/fünf Uhr halte ich es prima im Bett aus, kuschel mit der Elfe und döse sogar zweimal zwischen den Wehen. Dann stehe ich auf und ziehe mir etwas anderes an. Gehe ins Wohnzimmer um doch endlich mal den Part mit der Geburtsatmung im Hypnobirthing Buch zu lesen. Ich öle noch meinen Bauch mit Geburtsöl ein und übe die Atmung direkt bei den nächsten Wehen. 

Zwischendurch gehe ich auch mal zur Toilette und habe Durchfall. Allerdings ist das bei mir sehr häufig der Fall und muss somit nichts heißen.

Ich höre, dass die Elfe oben kurz wach ist. Obwohl ich weiß, dass sie bei Papa im Arm weiter schlafen wird, gehe ich auch wieder ins Bett und lege mich zu den beiden. Wobei ich nun langsam schon merke, dass ich die Wehen im Liegen schlechter ertrage. Also doch Geburt? Ich stehe wieder auf als der Wecker vom Mann klingelt, als er dann ins Bad kommt, erzähle ich ihm von meinen Wehen. 

Er wird direkt nervös und würde am liebsten zehn Dinge gleichzeitig tun. Entscheidet sich aber dazu erstmal duschen zu gehen. Ich möchte gerne noch die Babyschale beziehen, die hatte ich erst am Vortag gewaschen und man weiß ja nie, ob man die Schale nicht doch braucht. Währenddessen kommen die Wehen plötzlich häufiger. Ich setze mich in den Türrahmen, wie es in "Meisterin der Geburt" beschrieben wird. (Ich habe das Buch leider nicht gelesen, obwohl ich so gerne wollte.) Das klappt echt gut und man kann selbst schön gegen die Schmerzen im Rücken drücken. 

Ich rufe die Hebamme an, die nachdem sie mich auch eine Wehe veratmen hört, beschließt sich langsam fertig zu machen und zu kommen. Das ist um 7:11 Uhr. Ich möchte dann in die Badewanne, weil ich mich daran erinnere, wie gut das dem Rücken bei der letzten Geburt tat und weil es später wahrscheinlich nicht mehr gehen würde, da die Wanne recht klein ist und die Hebammen nicht gut an mich und das Baby heran kommen. Der Mann lässt mir Wasser ein und bezieht weiter Betten, legt Vorlagen aus und solche Dinge. 

Das Wasser tut tatsächlich sehr gut. Zwischendurch wurde natürlich auch die Elfe wach. Die steht nun an der Wanne und passt auf mich auf. Die Abstände werden wieder länger, aber die Wehen plötzlich ganz anders. Da ist dieser riesige Drang mitzuschieben. Das kommt mir komisch vor und so taste ich dann selbst mal nach dem Muttermund. Aber ich fühle nur etwas großes Hartes. Es dauert einige Sekunden bis ich verstehe, dass das der Kopf ist. 

Ich erkläre meinem Mann, dass das Baby bald kommen wird und er bitte die Hebamme noch mal anrufen soll. Die steht im Berufsverkehr und macht so schnell sie kann. Mein Mann holt die Kamera, da er weiß wie gerne ich ein paar Bilder der Geburt haben wollte. Darüber, dass er daran denkt freue ich mich in dem Moment riesig. 


Bei der nächsten Wehe töne und fluche ich etwas lauter und merke, dass der Kopf schon halb da ist. Die Elfe hält mir die Hand vor den Mund und sagt, ich soll nicht so laut sein. Eine Wehe später ist der Kopf komplett geboren, ich knie und lehne mich zurück, damit das Baby auch im Wasser bleibt. Es schaut uns an, macht den Mund auf, es ist unglaublich schön. Mit der nächsten Wehe werden unter leichtem Mitschieben erst die Schultern und dann der Rest des Körpers geboren. Der Mann nimmt ihn mit mir in Empfang und legt ihn mir dann auf die Brust und deckt ihn mit Handtüchern zu. Es ist ca. 7:55 Uhr. 

Ich liege einfach nur da und kann gar nicht fassen, wie leicht und wunderschön das war. Der Kleine röchelt etwas, aber nach ein bisschen sanftem Rubbeln über den Rücken quäkt er schon kräftiger.



Dann kommt unsere Hebamme und hilft mir aus der Wanne und auf unser Übergangsbett, da unser neues Familienbett noch nicht komplett eingerichtet ist. Sie scheint nicht sehr erstaunt darüber, dass das Baby schon da ist. Die Plazenta kommt nach kurzer Zeit, ich blute etwas stärker, aber die Hebamme bekommt das in den Griff. Ich esse sogar ein mini Stück Plazenta, ob es wirklich geholfen hat, kann ich nur schwer sagen, aber ich habe keine Schmerzmittel für die Nachwehen gebraucht. Ich bin auch bis auf ein paar kleine Schürfungen unverletzt geblieben. 

Mein Kreislauf ist noch viele Stunden im Eimer, aber mir ist das eigentlich alles egal. Ich liege einfach nur fassungslos mit dem kleinen Fratz da rum und bin glücklich. 

Die Elfe will nach ein bisschen schauen und zuhören lieber in die Kita und der Papa bringt sie hin. Für sie war das Ganze irgendwie keine große Sache. Die kurze Zeit der Geburt, die sie dabei war hat sie mich auch gar nicht gestört, im Gegenteil, sie hat mich gestreichelt, meinen Kopf in der Wehenpause mit ihren kühlen Händen gehalten. Es war toll, sie dabei zu haben. 

Unser Sohn wird dann später natürlich auch noch gewogen und vermessen. 

3040g auf 50cm mit einem Kopfumfang von 34,5cm. 

Für mich persönlich hätte diese Geburt perfekter nicht sein können. Im Kreise meiner kleinen Familie gemeinsam unser neues Familienmitglied willkommen heißen. Völlig unkompliziert und ungestört, völlig natürlich und selbstverständlich. Ich bin sehr dankbar für dieses Erlebnis und diesen kleinen Menschen in unserer Mitte und gespannt darauf, wie das Leben nun mit ihm wird.